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Lauf FIA Tourenwagen-Weltmeisterschaft
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SEAT-Youngster bei Premierenauftritt live auf ZDF und Eurosport: „Flo“ Gruber setzt Zeichen in der FIA Tourenwagen-WM
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Aham (gb). Hat das Pfingstwochenende 2006 für Florian Gruber den entscheidende Aufschwung in seiner jungen Rennfahrerkarriere gebracht? Bei seinem ersten Auftritt in der FIA Tourenwagen Weltmei-sterschaft (WTCC) beim 4. Saisonlauf in Oschersleben, den er als Sieger des SEAT European Masters 2005 mit einer Wild Card bestreiten durfte, lieferte der 23jährige Youngster auf seinem Werks-SEAT eine rundum überzeugende Leistungen ab. In dem Feld mit den ganz „Großen“ des internationalen Tourenwagensports kam er in beiden Wertungsläufen als 15. ins Ziel, im warm up am Sonntagmorgen legte er mit 1:33,649 Minuten sogar die schnellste Zeit des gesamten Feldes vor. Besonders im zweiten Lauf konnte er sich vor den Augen der TV-Zuschauern prächtig für höhere Aufgaben empfehlen, als er sich mit dem Ex-Williams Formel 1 Star Alex Zanardi/Italien rundenlang um Platz 12 stritt.
Der bisherige Höhepunkt in der noch jungen Karriere von Florian Gruber begann schon vor dem eigentlichen Renneinsatz in der Motorsportarena Oschersleben. Bereits am Freitagabend wurde Gruber, der vor zwei Wochen in Oschersleben seinen ersten nationalen SEAT Meisterschaftslauf gewonnen hatte, von den SEAT Verantwortlichen zusammen mit Werksfahrer Peter Terting zu einer Autogrammstunde in ein Einkaufszentrum nach Magdeburg beordert. An der Seite Tertings, seinem Teamkollegen bei ABT Sportsline in der ersten SEAT Supercopa Saison vor zwei Jahren, hinterließ Gruber einen höchst professionelle Eindruck, gab geduldig jede Menge Autogramme und beantwortete den zahlreichen Fans routiniert die Fragen. „Prüfung 1“ auf dem Weg zu einer dauerhaften Karriere am Steuer eines Werkswagens wäre damit bestanden gewesen.
Herantasten im 1. freien Training Noch viel wohler als am Griff seines Kugelschreibers bei der Autogrammstunde fühlte sich Gruber jedoch am Samstagmorgen am Steuer seines Werks-SEAT Leon, als die 27 Piloten zum ersten freien Training ausrückten. Allerdings waren die Bedingungen alles andere als freundlich: Die Strecke feucht vom Regen der vergangenen Nacht, die Temperaturen kühl und dazu ein böiger Wind.
„Mir ging es erst einmal darum, den Wagen richtig kennen zu lernen und sicher ein paar zügige Runde auch unter schwierigen Bedingungen zu absolvieren“, skizzierte Flo Gruber nach der ersten Trainingseinheit und dem 26. Platz seine Taktik. Mit Wohlwollen nahm das auch SEAT Renndirektor Jaime Puig zur Kenntnis, der es sicher nicht gerne gesehen hätte, wenn sein hoch motivierter Gast schon zum Auftakt für Sonderschichten für die Mechaniker gesorgt hätte. Mehr Mut zum Risiko zeigte hingegen der an beiden Unterschenkeln amputierte ehemalige Williams Formel-1 Pilot Alex Zanardi: Mit 1.43,624 Minuten legte er trotz Regens eine Traumrunde auf den Asphalt, zwei Sekunden schneller als der Zweitplatzierte, SEAT-Privatfahrer Tom Coronel (NL).
Sprung um 10 Plätze im 2. Training Sein Talent erstmals aufblitzen ließ Florian Gruber im zweiten freien Training. Zwar waren die Streckenverhältnisse nicht wesentlich besser als am frühen Morgen, doch war der Vilstaler Nachwuchsmann nun schon vertrauter mit seinem Sportgerät. Die Zeiten wurden konstanter und deutlich besser. Mit Unterstützung seins Renningenieurs probierte Gruber immer wieder neue Abstimmungsvarianten und brachte seine umfangreichen Streckenkenntnisse aus der BTC und dem SEAT Leon Supercopa professionell in die Abstimmungsarbeit mit der Boxen-Crew mit ein. Das Resultat: Ein Sprung um 10 Ränge auf Platz 16.
Pech auf der schnellsten Runde Richtig ernst wurde es für die Teams am Samstagnachmittag beim Qualifying, das als eines der verrücktes Qualifikationsrennen in die Geschichte der FIA WTCC eingehen dürfte. Nicht weniger als drei „rote Flaggen“, d.h. Unterbrechungen wegen Bergungsarbeiten, und eine erst in den letzten drei Minuten komplett abtrocknende Piste machten das Qualifying zu einer „reinen Lotterie“. Das sagte nach dem Training bei der Presskonferenz Andy Priaulx, der Trainingsschnellste. Ein Urteil, das aus dem Munde des amtierenden WTCC- Weltmeisters doppeltes Gewicht bekommt, auch wenn der Verursacher von „roter Flagge“ Nummer zwei Florian Gruber war.
Er war neun Minuten vor Ende des Runs auf seiner schnellsten Runde unterwegs und wurde ungeduldig. Obwohl die Strecke immer noch feucht war und nichts auf ein schnelles Abtrocknen hin deutete, ging er auf Bestzeitenjagd. In allen Sektoren hatte er Zwischenzeiten, die auf einen Startplatz unter den ersten 15 hoffen ließen. Dann aber brach der „Rennlöwe“ kurz vor Start und Ziel im schnellen „Shell-S“ aus und Gruber produzierte einen an sich harmlosen Dreher – blieb aber auf der Strecke. Das dicke Ende kam aber noch! Trotz aller Versuche ließ sich der Wagen nicht mehr starten. Also mussten die Streckenposten ran und den Wagen flott machen. Das bedeutete aber nach dem WTCC-Reglement „Inanspruchnahme fremder Hilfe“ und damit automatisch die Verbannung auf den vorletzten Startplatz (den letzten Startplatz musste Peugeotpilot Jens Edmann/DK wegen Motorenwechsels einnehmen). Wie sich später heraus stellte, war es ein defekter Anlasser, der den Re-Start des Wagens unmöglich gemacht hatte. „Kleine Ursache, große Wirkung“, kommentierte ein sichtlich angesäuerter WTCC-Neuling sein Pech. Trugs aber mit Fassung und Professionalität, wofür man auch sagen könnte: „Prüfung 2“ bestanden.
Schnellste Runde im Warm up Mit einer gehörigen Wut im Bauch ging Florian Gruber am Sonntagmorgen in das Aufwärmtraining. Bei erneut kühlen Temperaturen, aber endlich trockenen Pistenverhältnissen konnte der amtierende „European Master“ endlich einmal zeigen, welches Talent in ihm steckt. Ohne Scheu vor den großen Namen im Feld lief er sich für etwa 15 Minuten warm und brachte dann den TV-Kommentator von „Eurosport“ in helles Verzücken: Gruber steigerte sich Runde um Runde und knallte kurz vor Ende der morgendlichen Aufwärmfahrt mit 1:33,649 Minuten die schnellste Runde auf den Kurs in der Motorsportarena: Sieben Zehntel war er schneller als der Rest des Feldes. Damit hatte er endgültig klar gemacht, dass er neben Talent auch richtig Biss hat und sich von einem Missgeschick wie am Samstag nicht auf seinem Weg zu einer Profikarriere im Motorsport abbringen lässt.
Beherzte Renntaktik und großes Kämpferherz „Obwohl ich vom vorletzten Startplatz aus keine Chance habe, will ich diese nutzen“, sagte „Flo“ Gruber vor dem Start zum ersten Wertungslauf am Sonntag. Sprach’s , zwängte sich in seinen 280 PS starken Rennboliden und ließ den Worten Taten folgen. Vor Millionen von TV-Zuschauern – das ZDF und Eurosport berichteten live aus Oschersleben – knüpfte sich Gruber mit einer beherzten Renntaktik und einem großen Kämpferherz Gegner für Gegner vor und arbeitete sich in den 14 Rennrunden Rang um Rang vor. Am Ende von Lauf 1 konnte er mit seiner Leistung und dem erzielten 15. Rang sicher ebenso zufrieden sein wie BMW-Werksprofi und Weltmeister Andy Priaulx / GB, der sich vor Dirk Müller (BMW / Monaco) und Rickard Rydell (SEAT / SWE) den Laufsieg erkämpft hatte.
Lauf 2, Runde 7: Die Runde des Florian Gruber „Wenn wir das an Werbegebühren bezahlen müssten, was das wert ist, dann wären die Sponsorengelder für die kommenden fünf Jahre heute fällig“, strahlten Florian Gruber und sein Vater Josef nach Lauf 2 und einem neuerlichen 15. Rang des Juniors um die Wette. Was war geschehen? Runde 7 des im ZDF live übertragenen Rennens wurde die Runde von „Flo“ Gruber. Fast den kompletten Umlauf über war er im Kampf gegen Alex Zanardi und Teamkollege Jordi Gené groß im Bild und bekam von Kommentator Aris Donzelli „großes Talent“ attestiert. Spätestens nach dieser Übertragung ist jetzt auch dem TV-Publikum bekannt, dass Ex-Rallye-Weltmeister Walter Röhrl seinem früheren Arbeitgeber AUDI das Nachwuchstalent aus dem Vilstal als „absolut beobachtungswürdig“ empfohlen hat. Außerdem stellte Jürgen Pippig, Pressechef von AUDI Motorsport, im Vorfeld des WTCC-Laufes im Gespräch mit dem Sportinformationdienst sid fest, dass „der Junge in seiner Karriere bisher alles richtig gemacht hat“. Das trifft auch für das Wochenende beim Weltmeisterschaftslauf in Oschersleben voll und ganz zu: nichts kaputt gemacht, deutliche Akzente gesetzt und auch noch Spaß gehabt. Spätestens jetzt, wenn nicht schon mit dem Gewinn des „SEAT Euopean Masters“ im November in Barcelona/Spanien, dürfte Florian Gruber die alle „Prüfungen“ bestanden haben, die es für das Prädikat „Profitauglichkeit“ im Motorsport“ benötigt.
Bildunterschrift: Florian Gruber bewies mit seinen Leistungen beim WTCC-Lauf in Oschersleben, dass er in den Maßanzug eines SEAT-Werksfahrers nicht nur von der Körpergröße her hineinpassen würde
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