Seinen nach eigenen Worten „bislang wertvollsten Titel“ holte sich der wortkarge Niederbayer nicht durch Seriensiege, sondern durch eine über das ganze Jahr über hervorragende Rennstrategie mit . Ausschlaggebend nach einer Saison voller Höhen und Tiefen war am Ende, dass Gruber auf seinem „Rennlöwen“ von SEAT Partner Klaus Schneider aus Landshut-Altdorf und sein Einsatzteam Fischer Racing Paderborn nicht nur Gas gaben, sondern auch in schwierigen Situationen den Blick auf das Gesamtergebnis nie aus den Augen verloren. Wo andere Mitbewerber mit dem Kopf durch die Wand wollten, taktierten Gruber und Teamchef Hardy Fischer geschickt und fuhren lieber einmal auf Sicherheit und Punkte, als auf Aktion und Totalausfall. Diese Taktik entschied letztendlich auch das Wochenende in Hockenheim, wo sich die beiden schärfsten Mitbewerber Rene Rast und Fredy Barth in Hockenheim im alles entscheidenden Finallauf durch spektakuläre, aber höchst ungestüme Aktionen am Ende selbst aus dem Titelrennen katapultierten. Hohes Risiko im Qualifying Das Wochenende in der badischen Motorsporthochburg Hockenheim begann für Florian Gruber wenig erfreulich: Nach einem höchst durchwachsenen freien Training, wo sich die Fahrzeugabstimmung aus dem Saisonauftakt wegen der damals frühlingshaften Temperaturen für das anstehende Rennen bei herbstlichen Temperaturen als ziemlich unbrauchbar erwies, sollte im Qualifikationsrennen der Regen eine entscheidende Rolle spielen. Am Anfang des Qualifikationsrennens lag Gruber mit seinen Rundenzeiten bei nasser Strecke an der Spitze des Feldes, zeitweise sogar auf der Poleposition. Im Verlauf trocknete die Piste aber mehr und mehr ab und Gruber musste als einer der letzten Piloten noch Trockenreifen aufziehen. „Am Ende ist mir die Zeit davon gelaufen, denn bis ich meine Slicks auf Temperatur hatte, war das Qualifying zu Ende“, sagte ein über Startplatz sechs enttäuschter Florian Gruber. Er wollte aber dennoch nicht über sein Ergebnis hadern, denn „das war einfach sehr hoch gepokert und da kann schon mal was ins Auge gehen“. Podestplatz am Samstag Den 15. Lauf der Saison nahm Gruber am Samstagnachmittag bei trockenem, aber kühlem Wetter von Rang sechs aus unter die Räder. Schon in der ersten Kurve nach dem Start krachte es gewaltig, als der Portugiese Jose Joao Magalhaes quer stand und etliche Piloten nur über den Umweg Kiesbett im Rennen blieben, darunter der Gesamtführende Rene Rast. Gruber kam unbeschadet durch und lag nach der ersten Runde bereits hinter Christian Hohenadel und Fredy Barth. Im Verlauf wurden die Attacken von Florian Gruber auf Fredy Barth immer härter. Knapp zehn Minuten vor Rennende wollte Gruber seinen Mitbewerber Barth schnappen, doch dieser fuhr an diesem Tag wie entfesselt. In der letzten Runde auf den letzten Metern ging es dann zwischen Fredy Barth und Florian Gruber noch einmal mächtig zur Sache. Nebeneinander gingen sie durch die Zielkurve, doch am Ende sah Fredy Barth hinter dem Sieger Christian Hohenadel vor Florian Gruber die Zielflagge. Nachdem Rene Rast nur als Siebter das Ziel erreichte, war für den Sonntag mit „Vorteil Rast und Barth“ der entscheidende Lauf angesagt. Zu diesem Zeitpunkt führte in der Meisterschaft immer noch Rene Rast mit 183 Punkten vor Fredy Barth (180) und Florian Gruber (178). Nervenkrieg mit „Happy end“ Den alles entscheidenden Lauf am Sonntagmorgen konnten die Piloten auf Slicks in Angriff nehmen. Da die ersten acht Fahrer in umgekehrter Reihenfolge des Zieleinlaufs vom Vortag starteten, hatte Daniel Bauer die Poleposition inne, gefolgt von Rene Rast und Patrick Hirsch. Florian Gruber nahm das Rennen wieder von Rang sechs in Angriff. Der Start funktionierte ohne Problemen und schon in der Nordkurve konnte sich Florian Gruber auf Rang drei schieben, wurde aber von Rene Rast leicht touchiert. Während Gruber seine Fahrt fortsetzen konnte, musste Tabellenführer Rene Rast nach dieser Aktion aufgeben. Aber auch Grubers „Rennlöwe“ zeigte Kampfspuren, denn nach der Attacke von Rast drohte ein Karosserieteil den linken Hinterreifen an Grubers Leon aufzuschlitzen. Immer wieder qualmte der Reifen bedrohlich. Nach der ersten Runde führte Daniel Bauer vor Patrick Hirsch und Damian Sawicki. Auch Fredy Barth kam mit technischen Problemen in die Box gefahren, konnte aber zunächst weiterfahren. Unterdessen ging es aber im Feld zur Sache und immer mehr Fahrer mussten mit waidwunden „Löwen“ die Segel streichen. Auch für Florian Gruber wurde es immer enger, denn nach einigen rauchfreien Runden sendete sein SEAT Leon Cupra R in der Schlussphase wieder verstärkt Rauchzeichen. Dennoch: Einen sechster Platz würde reichen, um den Meistertitel zu holen. Mit einer taktischen Meisterleistung und der notwenigen Portion Glück rettete Gruber am Ende den sechsten Rang. Sieger nach vierzehn Runden wurde Gaststarter Jimmy Johansson/Schweden, vor Daniel Bauer und dem Polen Damian Sawicki. Bei dem gleichzeitigen Ausfall von Rast und Barth sicherte sich Florian Gruber nach einem wahren Rennkrimi den Gesamtsieg im SEAT Leon Supercopa 2006.
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